Blog - 05.08.2017 Es war einmal das Ei ...

 Es war einmal das Ei 

Klar, Eier gibt es immer noch! Nicht auszudenken, es würde eines Tages keine mehr geben - also vor allem Hühnereier, welche doch nahezu in keinem Kühlschrank fehlen. Und doch hat man derzeit das Gefühl, die Tage des Ei’s sind gezählt. 

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Als Kind holte ich mir früher die Eier auf dem benachbarten Grundstück selbst aus dem Stall. Voller Respekt, in kleinen Schritten, ging ich mit meinem roten Eimer’chen dort über den Hof. Der Geruch im Hühnerstall war beißend und ohne die Nase zu rümpfen war das Betreten kaum möglich. Husch, husch … schnappte ich mir 5 bis 6 Eier, legte sie vorsichtig in das Eimer’chen und sagte dem Nachbarn Bescheid, denen ich dann ein paar Groschen auf den Küchentisch legte. So war es ausgemacht. Die Groschen drückten mir entweder meine Großmutter oder meine Eltern zuvor in die Hand. Also alles ganz einfach! Wenn ich dann in mein Eimer'chen schaute und die kleinen Hühnerfedern auf den Eiern sah (und ja: auch Hühnerkacke!) überkam mich keinesfalls Ekel, sondern es machte mich einfach zufrieden. Zufrieden, weil ich wusste, dass meine Eltern oder meine Großmutter sich immer über die Eier freuten. Einige Zeit davor brachte noch der gute alte Eiermann die Eier von Haus zu Haus. Er rollte mit seinem VW-Bulli durch die Straßen und leutete sein Glöckchen. So hörte man ihn stets schon von weitem. Was für eine friedliche Zeit! Aufgeregt rannte ich dann mit meiner Mutter aus dem Haus und wir suchten uns die schönsten Eier aus. 

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Und heute?  Ekeleier!  Wer kann am wenigsten dafür? Genau - das Huhn! 

Traurig ...

Da steht man im Supermarkt und beobachtet, wie die Angestellten dort sämtliche Eier aus den Regalen entfernen und ringsherum Menschen, die ihnen unangenehme Fragen stellen bzw. ihre Eier zurückbringen! Millionen von Eiern werden nun vernichtet.

Was bin ich froh, dass wir unsere Eier überwiegend beim Bauernhof unseres Vertrauens kaufen. Und das schon seit vielen Jahren. Vor oder nach dem Einkauf kann man dort auf dem anliegenden Grundstück glückliche Hühner hinter einem Zaun auf der grünen Wiese beobachten - ein gutes Gefühl. Vor allem seit dem derzeitigen „Eier-Skandal“ bzw. der Verseuchung durch Fipronil.

Tja, und wie steht’s mit den Produkten, welche Eier enthalten? Z.B. Nudeln, Backwaren, Mayonnaise, Eierlikör, Speiseeis usw. - letzteres haben wir übrigens selbst hergestellt: Aprikoseneis (Zutaten: Joghurt, Aprikosen, Puderzucker, Honig).


Was ist Fipronil?

Fipronil ist ein Insektizid und soll eigentlich Läuse und Würmer töten. Und: es tötet auch Bienen - im Prinzip alle möglichen wirbellosen Tiere. Hergestellt wir es vom deutschen Chemiekonzern BASF. Seit 2013 ist Fipronil nicht mehr uneingeschränkt zugelassen. Tierärzte dürfen es bei der Parasitenbehandlung von Katzen und Hunden einsetzen. In Bereichen, in denen Lebensmittel hergestellt werden, ist die Verwendung des Insektizids absolut verboten. 

Millionenfach wurden nun mit Fipronil verseuchte Eier alleine aus den Niederlanden und Belgien nach Deutschland geliefert. Und der Skandal weitete sich aktuell stündlich aus 


Wie kam Fipronil ins Ei?

Nach aktuellen Erkenntnissen wurde dem Desinfektionsmittel „Dega 16“ das Insektizid Fipronil illegalerweise zugemengt. Vermutlich ging es hier mal wieder um reine Profitgier. Landwirte, welche "Dega-16“ zur Stallreinigung verwenden, sind aufgerufen, sich zu melden. Die Ermittlungen dauern an bzw. fast stündlich werden den Verbrauchern neue Erkenntnisse dahingehend aufgetischt -  bon appétit!


Wo kann ich mich informieren?

Auf dem Portal des Bundesamtes für Verbraucherschutz www.lebensmittelwarnung.de kann man die Nummern der betroffenen Eier nachprüfen. Inzwischen wurden auch belastete Eier aus Deutschland entdeckt -  hier  eine weitere aktuelle Liste der betroffenen Eier.

Das KAT*-Statement zu Fipronil ist hier zu finden.

* KAT – Verein für kontrollierte alternative Tierhaltungsformen e.V.


Achja, wer’s schon vergessen hat: 2011 war’s das Dioxin im Ei! Wenn auch nur einige wenige Eier seinerzeit Grenzwertüberschreitungen aufwiesen.

Der derzeitige Skandal zeigt nun auf, wie die Lebensmittel-Industrie europaweit die Eierregale der Supermärkte beherrscht und vermutlich auch das, was bisher eher im Verborgenen der Lieferketten lag! Spannend, interessant - macht schlauer - und dennoch ist vor allem der Verbraucher der Dumme! 

Heute das Ei, morgen die Milch, übermorgen das (Gammel)Fleisch ... Was kommt als Nächstes!? Das Vertrauen der Verbraucher wird mehr und mehr leichtfertig verspielt.

Apropos spielen: wir füllen dann mal gleich einen Lottoschein aus - im Falle eines 6er’s  werden wir zum Selbstversorger auf dem Land. Genau - und `nen VW-Bulli gönnen wir uns dann auch noch und vielleicht reichen die Eier ja aus, um die umliegende Nachbarschaft mit zu versorgen.

P.S.: Wer aufgehört hat zu träumen, hat auch aufgehört zu leben!

© Alex We Hillgemann / www.alexografie.de  -  Alle Rechte vorbehalten!